Gedenkt der Toten. Kämpft für die Zukunft!

Heute ist wieder Freitag. Letzten Freitag war ich mit ca 300 Altenburger Schülern und Erwachsenen auf der Strasse, um zu demonstrieren. Es waren viel mehr, als gedacht. Am Rande der Demo kam ich auch mit Schülern des Friedrichgymnasiums ins Gespräch.

Artists for Future meets Fridays for Future

Was ich von denen erfuhr, hat mich überrascht und traurig gemacht. Ich habe ein intensives Verhältnis zum Friedrichgymnasium. Vor sieben Jahren kam es anhand einer Uraufführung zu einer guten Zusammenarbeit. Das Stück hieß „die Im Dunkeln“ und handelte vom Widerstand gegen Stalin in der noch jungen DDR. Zwei Zeitzeugen begleiteten damals die Produktion. Einer davon starb wenige Jahre später. Für ihn war das Stück eine späte Katharsis. Denn er hatte überlebt. Aus Zufall. Und das war eine lebenslange Bürde für ihn. Er war in den Endproben des Stückes so bewegt, dass er buchstäblich durchweinte. Denn er sah seine ermordeten Kameraden auf der Bühne. Der folgende Text sei ihm gewidmet. Also Gerhard Schmale, wir vergessen eure Geschichte nicht:

„Die im Dunkeln“ Stück von Mona Becker über Widerstand in Altenburg Szenenfoto

Eigentlich wollte ich heute über etwas ganz anderes schreiben. Ich wollte schreiben über Viehzucht und Fahrradwege. Aber das ist nicht möglich angesichts der Dinge, die sich im Friedrichgymnasium abspielen. Das Friedrichgymnasium hat eine besondere Geschichte. Sie ist so überwältigend ist, dass sie in Deutschland einmalig sein dürfte. Schüler der damaligen Karl Marx Oberschule, wurden wegen ihres Kampfes für Meinungsfreiheit in ihrem jungen Staat DDR in Moskau hingerichtet, andere nach Sibirien geschickt. Sie wollten nach der Nazidiktatur nicht in eine erneute Diktatur gehen. Sie starben mit der neuen DDR Verfassung in der Hand, die sie ernst genommen und von Stalin nicht pervertiert wissen wollten. Das war 1950. Fast hätte man diese Helden vergessen, weil die DDR diese Geschichte unterdrückte. Erst nach 1989 konnte sie gewürdigt werden.

Seit August 2018 treten Kinder und Jugendliche für ihre Zukunft ein. Sie folgen den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass unsere Erde bald für viele hundert Millionen Menschen unbewohnbar sein wird, wenn nicht entschiedene Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Sie treten Freitags dafür ein – zur Schulzeit. Sie tun das, damit die Öffentlichkeit sie wahrnimmt in ihrem Protest gegen ein System, das sie in die Schule schickt und gleichzeitig ihre Zukunft ruiniert. Auf der ganzen Welt demonstrieren diese Kinder – nicht im Friedrichgymnasium. Der Schulleiter untersagt es und nimmt Bezug auf die Schulpflicht. Das ist sein Recht. Nicht sein Recht ist es den Schülern anzudeuten auch die zu notieren, die an Feiertagen demonstrieren gehen. Das ist Machtmißbrauch. Die moralische Pflicht des Schulleiters des Friedrichgymnasium wäre, die Schüler zu ermuntern auf die Strasse zu gehen. Dann hätte er die Geschichte seiner Schule verstanden. Gedenkt der Toten! Kämpft für die Zukunft!

Am Freitag, den 27.09. vor dem Friedrichgymnsium

7 Kommentare zu „Gedenkt der Toten. Kämpft für die Zukunft!

  1. Wie belegbar ist denn das „anzudeuten“?
    Thomas Lahr scheint als Schulleiter die AfD öffentlich zu unterstützen.
    Schlimm und der Tradition des Gymnasiums unwürdig, wenn es stimmt.

    Gefällt 1 Person

    1. Wer auch immer die Grünen wählt: Das große Verdienst von Bernhard Stengele ist, daß er die Geschichte der DDR nicht umgeht, sondern sie d a r s t e l l t, damit sie begreifbar wird. Ich habe die Erfahrung gemacht als Lehrer in der postsozialistischen Jugendweihezeit in Altenburg als Religionslehrer bis zum Abitur und als Leiter einer AG Philosophie, daß kaum jemand wirklich wissen wollte, was damals geschehen ist. Ich kam mir immer einsam vor an der stillen Ecke zu ebener Erde(Erinnerung an die Schüler und Lehrer). Das war in den 90 igern und jetzt?
      Dank an B. Stengele!
      Michael Wohlfarth, Pfarrer in Thüringen von 1975 bis 2007 (Kreisjugendpfarrer Schmölln, Stdtjugendpfarrer Altenburg, Gründer Spalatingymnasium aus der Altenburger Akademie(Gründung 1988!!!) heraus.

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Familie Wohlfarth,
        Erst jetzt komme ich dazu zu antworten. Zu wirr war mein Kopf in den letzten zwei Wochen, als ich mich orientieren musste. Vielen Dank für den Kommentar. Ic h freue mich sehr, wie Sie meinen Blog wahrnehmen. So ist es gedacht. In den letzten Monaten habe ich soviel Gutes von Ihnen gehört. Noch bin ich nicht dazu gekommen alles zu lesen, was Sie mir geschickt haben, aber vielleicht wird das ja bald… . Ich hoffe, dass wir uns mal wieder sehen in Altenburg, oder wo auch immer. Herzlich Bernhard Stengele

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