Elementares Denken

Manchmal werde ich auch philosophieren – heute zum Beispiel:

Können wir denken? Mit Denken meine ich elementares Denken, wie es Albert Schweitzer formuliert hat. Dinge in ihrer Tragweite erfassen und Konsequenzen daraus ableiten. Dinge zu Ende denken. Ohne Angst, mutig, kühn und klug.

Ein paar Dinge zu Ende denken. Wir wissen, dass Tiere Empfindungen haben, sie trauern, freuen sich, sie sind anhänglich. Und wie wir Menschen haben sie Grundbedürfnisse. Sie wollen spielen, laufen, brauchen und spenden Körperkontakt und Zuwendung. Davon gehe ich nach Beobachtung und Lektüre mit Sicherheit aus. Es gibt Menschen, die das leugnen. Das heißt, sie hören auf ihren Verstand, ihre Beobachtungsgabe, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Erkenntnisfähigleit zu nutzen. Außerdem mißtrauen sie in einem nicht vernünftigen Maße wissenschaftlichen Methoden. Sonst würden sie zu einem anderen Ergebnis kommen.

Tiere fühlen also. Tiere in Massentierhaltung entwickeln absonderliches Verhalten, sie entwickeln Neurosen, werden aggressiv, ja regelrecht verrückt, lethargisch – sie leiden. Damit ich sie billig essen kann. Will ich das? Ehrlich gesagt: nein. Für mich soll kein Tier unnötig leiden. Das möchte ich nicht. Ich esse oft unbedacht Fleisch. Ich stelle die Verbindung nicht her. Die massenhafte Tierhaltung schädigt unseren Planeten, ist für Elend und Hunger auf der Welt mitverantwortlich. Ich erspare mir hier den Faktencheck. 10 Minuten im Internet reichen aus, um beeindruckende Zahlen und Zusammenhänge zu bekommen. Will ich das? Nein. Die massenhafte Tierhaltung trägt nicht unerheblich zur Klimaerwärmung bei. Auch das kann man glaubwürdig nachprüfen. Ich esse oft unbedacht Fleisch aus allen erdenklichen Quellen. Ernährungswissenschaftler sind sich einig, dass übermäßiger Fleischkonsum gesundheitsschädlich ist. Übermäßig heißt mehr als 600 Gramm pro Woche. Da streiten allerdings die Experten. Ab wann gibt es ohne Fleisch Mangel? Bei ausgewogener Ernährung gar nicht. Jedenfalls als Erwachsener. Vegan? Irgendwann ein bißchen B12. Dann geht auch das. Zu Ende denken. Ich bin ein sozialer Mensch, ich mag kein Apostel sein, kein Belehrer, kein Fanatiker. Ich esse gern Fleisch, manchmal will ich Wiener Würstchen, weil es die immer bei uns zu Hause im Kühlschrank gab. Dann esse ich es und werde danach erst wieder wach.

Ich bin ein Hedonist, will trinken und essen, will genießen, schlemmen, unvernünftig sein. Das gehört zu meinem Selbstverständnis.

Senegalesisch essen in Burkina Faso mit Künstlerkollegen

Will ich, daß Tiere furchtbar leiden? Nein.

Der Buddha sagt: Sorge dafür, dass für Dich kein Tier getötet wird. Und iß, was man Dir anbietet. Brüste Dich nicht mit Deiner Ernährung. Das gefällt mir.

Zu Ende denken. Was kann ich schaffen? Was ist gut für mich? Was für das Tierwohl? Was für die Erde? Wenig Fleisch! Gutes Fleisch, vom Bauer. Freilaufend. Wenig Verarbeitung, wenig Wege, ohne Mast. Nicht nur Filet, auch Wade oder Kutteln (mag ich, mag ich). Bei Einladungen werde ich essen, was ich angeboten bekomme. Für mich selbst kauf ich kein Fleisch mehr. Bei Veranstaltungen keine Fettbemme, um grüne Volksverbundenheit zu zeigen. Und ab und zu Fisch. Bei Dünewald, diesem wundervollen kleinen Händler mit Bistro in Altenburg. Einzelhändler. Der echt Bescheid weiß über Fang, Zucht, Verträglichkeit. Mein Projekt. Zu Ende denken. Mit Freude und ohne den lustfeindlichen Zeigefinger. Wenig Fleisch aus guter Haltung. Wenig Fisch – am besten von Dünewald.

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