Ich kandidiere …

1982 verlangte der damalige Kultusminister von Baden-Württemberg, Gerhard Mayer-Vorfelder, eine Distanzierung meiner Schule von dem unbotmäßigen Schüler Stengele, der in einem Zeitungsartikel Homosexualität und Waldsterben erwähnte.

Die Auswirkungen des sauren Regens zu erwähnen, war so radikal, dass es den ach so pfiffigen späteren DFB-Chef, den wir liebevoll Trollingerpate nannten, auf den Plan rief. Homosexualität war sowieso eine Geisel Gottes.

1986 versprach Innenminister Zimmermann, den radioaktiven Fallout über Deutschland wegzulenken. Kommunistischer Fallout konnte ein so christlich-kapitalistisches Land wie die damalige BRD nicht treffen.

Dann wurde plötzlich von den Spielplätzen der Sand abtransportiert, wir durften keinen Salat mehr essen und ein paar ältere Bekannte blieben mit ihren Kindern auf La Palma – sie hatten ihr Vertrauen in den Umweltschutz komplett verloren. Seither denke ich grün. Ich habe mich allerdings nie in einer Partei engagiert. Künstler sind Individualisten. Doch Motivationen ändern sich.

In diesem Jahr werde ich bei der Landtagswahl in Thüringen als Direktkandidat im Wahlkreis 44 antreten. Bei Bündnis 90 / Die Grünen. Bündnis 90 ging im Wesentlichen aus den Bewegungen hervor, die großen Anteil an der friedlichen Revolution hatten. Das bewegt mich.

Als Direktkandidat anzutreten, bedeutet, dass meine Chancen gering sind. Allerdings bedeutet eine nicht abgesicherte Kandidatur ohne Listenplatz auch, dass ich im Falle einer Wahl frei eintreten kann für die Belange meiner Wähler, die mich als ihren Vertreter ausschicken – und dass ich nur meinem Gewissen verpflichtet bin. Taktik und Netzwerk spielen bei mir keine Rolle.

Ich kandidiere wegen der Klimakrise, die uns episch zu vernichten droht, wie den sprichwörtlichen gekochten Frosch.

Ich kandidieren wegen den überwältigenden Herausforderungen der Biodiversität.

Ich kandidiere für die vielen großartigen, mutigen, attraktiven Frauen, Diversen und Männer in diesem Wahlkreis, die ich kennenlernen durfte. Menschen mit Zivilcourage, die unsere Arbeit am Theater und deren Arbeit wir hier in Altenburg so sehr unterstützt haben.

Ich kandidiere auch für die im Dunkeln, für die Übersehenen und die Überhörten. Für die Menschen in Ostthüringen, deren schöne Heimat inzwischen so ausgesprochen wird, als ob es eine ansteckende Krankheit wäre.

#fuerABGdirekt!nachErfurt. Auf geht’s …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s